Von Paris nach Bad Urach

Schon zum 3. Mal gestaltet Agnes von Kirchbach die Österlichen Urlaubstage im Stift mit. Die evangelische Pfarrerin aus Frankreich bringt einen besonderen ökumenischen Akzent in die Tage ein. Nicht nur, weil sie im bekannten Wallfahrtsort Vezelay lebt und daher viele Begegnungen mit Menschen von überall her hat, sondern vor allem über ihr langjähriges Engagement im Gustav-Adolf-Werk (GAW). 

Ute Bögel war mit Agnes von Kirchbach im Gespräch:

Von Frankreich nach Bad Urach, das ist ja nicht gerade der nächste Weg ….

Wie kam es dazu?


Ulrich Hirsch kennt das Einkehrhaus Stift Urach schon seit Jahrzehnten und ist dort regelmäßig mit Tagungen zu Gast. Ich glaube, er hat die österliche Urlaubswoche zusammen mit einem Pfarrer erfunden und geleitet. Als es 2022 einen Wechsel im Team gab, hat Ulrich Hirsch mich gefragt, er kannte mich aus der GAW-Arbeit. Zum Glück gibt es da keine Angst vor Grenzen: Sprachgrenzen, Kultur- oder landeskirchliche Grenzen, Altersbarrieren usw. Und es gibt keine Angst vor kleinen Schritten.
So kam ich zur österlichen Urlaubswoche und gestalte die sehr gerne mit!

Was ist das Besondere am GAW?


Das GAW ist eine Hilfsorganisation, die sich weit über die Landeskirche und die deutschen Grenzen hinaus für die Kirchen interessiert, die sich in einer evangelischen Minderheitssituation befinden, sei es im Osten oder im Westen Europas und bis nach Asien oder selbst Lateinamerika. Das weitet den Horizont, weil man Christsein weltweit und in ganz unterschiedlichen Kontexten in den Blick nimmt.

Ich bin Pfarrerin einer solchen Mini-Kirche. Denn in Frankreich sind nur etwa 2% der Bevölkerung evangelische Christen. Im Pariser Großraum, in dem ich tätig war, gehören sogar nur 0,2% der Bevölkerung der evangelischen Kirche an! Das prägt die Art und Weise, wie der evangelische Glaube im Alltag gelebt und gestaltet wird.

Wie kann man sich dann Gemeindeleben konkret vorstellen? Und wird eine solche Minderheitenkirche von der Gesellschaft überhaupt wahrgenommen?


Nein, auf gesellschaftliche Anerkennung kann eine solche Minderheitskirche nicht zählen. Sogar das Gegenteil stimmt. Es gibt Ungerechtigkeiten. Aber das erlaubt, die Tiefe und das Licht von Christus nicht mit den Scheinwerfern der Öffentlichkeit zu verwechseln. Als Kirchenmitglieder zählen sich also nur Menschen, die lange Wege nicht scheuen wie hier z.B., wo man 60 bis 70 km bis zur nächstgelegenen evangelischen Kirche zurücklegen muss.

Was gefällt Ihnen an der Österlichen Urlaubswoche im Stift?


Für mich ist das Wichtige dieser Woche, dem Geheimnis Gottes nachzulauschen entlang der von Ostern her ausgebreiteten Liturgie. Das Zentrale unseres Glaubens strömt wie eine Quelle und durchzieht jeden Bibeltext. Es genügt, sich Zeit dafür zu nehmen, zu entziffern und einen Brückenschlag zu den eigenen Erfahrungen zu wagen. Ostern ist heute. Ostern ist eine Heimat.

Und: Diese Heimat kann man mit anderen Menschen teilen. Als ich vor zwei Jahren Stift Urach zum ersten Mal entdeckte, war für mich ja alles neu: das Gebäude, die wunderschöne landschaftliche Lage, die im Gebet sich verwurzelnde Gastfreundschaft, die schönen Räumlichkeiten und die gute Küche. Alles war neu, doch erkannte ich eine ganze Reihe von Gesichtern, die mir aus Begegnungen des GAW vertraut waren. Dieses Wiedersehen war für mich sehr schön! Die Begegnung mit anderen Menschen, bekannten und noch unbekannten, Austausch und Gespräch, gemeinsames Nachdenken über die Bibel und die gemeinsamen Tagzeitengebete empfinde ich als Bereicherung. So entsteht Gemeinschaft, die trägt. Das wünsche ich mir für Kirche generell.

Vielen Dank für diese Einblicke!

Wer gerne weiter mit Agnes von Kirchbach und Ulrich Hirsch im Gespräch sein möchte: die Österlichen Urlaubstage finden vom 1.-5. April 2024 statt.